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Vom Kreisverkehr zum Betriebserlebnis


Willst du eine Modellbahn oder einen Lokomotivzirkus?
Soll die Anlage auch nach der Fertigstellung noch interessant sein?

Ein Erfahrungsbericht von Felix Geering.


1. Einleitung
2. Im Anfang war das Oval
3. Die klassische Großanlage
4. Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn
5. Punkt zu Punkt: Hundeknochen
6. Punkt zu Punkt: Einspurige Nebenbahn
7. Der Schattenbahnhof
8. Raumausnutzung
9. Das Betriebserlebnis
10. Mittelmaß oder Charakter?
11. Betrieb nach Fahrplan
12. Güterverkehr: Wagenkarten und Frachtzettel
13. Güterverkehr: Rangierliste
14. Wider den tierischen Ernst
15. Die flexible Anlage: Punkt zu Oval
16. Über die Grenzen hinaus
17. Nachwort

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Vom Kreisverkehr zum Betriebserlebnis

 

 

 

 


 


 

1. Einleitung

 

Jeder Modellbahner träumt davon, seine Züge durch eine imposante Landschaft fahren zu lassen und so einen möglichst "echten" Eindruck der großen Eisenbahn in seinem Hobbyraum aufleben zu lassen. Doch allzu oft entpuppt sich die fertige Anlage als langweilig und wird nach einiger Zeit abgerissen, um einer neuen Anlage Platz zu machen, der es auch nicht anders ergehen wird. Was läuft hier falsch?

 

Manche Modellbahner kapitulieren vor der Situation und sagen: "Nur das Bauen ist interessant." Diese Meinung teile ich nicht. Wenn die fertige Anlage langweilig ist, ist mit dem Gleisplan etwas Grundsätzliches schief gegangen. Hugo Schwilch schrieb 1982 in der Artikelserie "vom Kreisverkehr zum Betriebserlebnis" in der "Modell-Eisenbahn" (heute "Loki"):

 

Ein möglichst vorbildgetreuer Fahrbetrieb ist die wichtigste Voraussetzung für eine interessante Modellbahn.

 

Die Artikel von Hugo Schwilch haben meine modellbahnerische Entwicklung geprägt. Viele Jahre später (2003) erhielt ich durch den Artikel "Ideale im Wandel" von Bertold Langer in MIBA Spezial 57 "Traumanlagen" einen weiteren wichtigen Impuls. Ich hoffe, die Erfahrungen aus meiner Modellbahntätigkeit mögen dem einen oder anderen eine Hilfe sein, seinen eigenen Weg zu finden.

 

 

2. Im Anfang war das Oval

 

Oval (z.B. aus Startpackung)

Die meisten Modellbahner beginnen mit einem Oval, z.B. aus einer Startpackung. Vielleicht noch ein Ausweichgleis oder ein, zwei Abstellgleise - und fertig ist die Startanlage. Das ist auch gar nicht schlecht, denn bereits mit dem einfachen Oval können elementare Fertigkeiten erlernt werden. Und das Wichtigste: Die Züge können bereits fahren. Auch mein eigener Weg hat mit solch einer Testkreis-Anlage begonnen. Darauf ließ ich alles fahren: Personenzüge, Güterzüge, internationale und Expresszüge – was das Herz begehrte. Und es hat Spaß gemacht!

 

Jedoch war es offensichtlich, dass ich die Fantasie ganz gehörig strapazieren musste, wenn ich beispielsweise einen Schnellzug seine Runden drehen ließ auf dem Oval von etwa 180 cm Streckenlänge. Möglicherweise habe ich das nur ertragen, weil dies von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht war. Innerhalb Jahresfrist hatte ich genügend Gleise beisammen für eine größere, "richtige" Anlage.

 

Fortgeschrittenes OvalDie Anlage maß nun gutbürgerliche 55x190 cm und das Oval war dementsprechend gut 4 m lang. Der Bahnhof war recht interessant und bot einige Möglichkeiten. Auch diese Anlage hat viel Spaß gemacht! Aber auch hier kehrte der Expresszug nach einer Runde wieder zum Ausgangspunkt zurück. Und da in der Zwischenzeit auch mein Rollmaterialpark deutlich angewachsen war, waren alle Gleise im Bahnhof ständig zugeparkt. Der einzige Fortschritt war das Gleisdreieck und die Möglichkeit, daran eine Erweiterung anzuschliessen. Tatsächlich spielte das Gleisdreieck mit dem Gleisstummel eine sehr wichtige Rolle, denn es war die einzige Möglichkeit, einen Zug woanders als im Ausgangsbahnhof enden zu lassen.

 

Eine Erweiterung mit Schattenbahnhof anzufügen, wäre eine interessante Möglichkeit gewesen. Doch dazu kam es nicht - aus verschiedenen Gründen. Und so, wie sie war, war die Anlage immer noch ein Oval mit Bahnhof – im Grunde das gleiche Konzept wie bei der Anlage aus der Startpackung.

 

Im richtigen Leben fahren die Züge nicht im Kreis herum, sondern von Bahnhof zu Bahnhof und wieder zurück. Aus einem Oval mit nur einem Bahnhof wird deshalb nie eine Modellbahn.

 

Wir brauchen eine andere Lösung.

 

 

 

3. Die klassische Großanlage


Grossanlage (Eisenbahnnetz)Versuchen wir es mit einem "Eisenbahnnetz". Da gibt es verschiedene Durchgangs-, Abzweig- und Endbahnhöfe, wie in echt. Auch die bekannten Messeanlagen der einschlägigen Grossserienhersteller sind im Grunde ähnlich aufgebaut.

 

Betrachten wir beispielhaft den Plan der DB-Modelleisenbahnanlage an der Deutschen Verkehrsausstellung vom Jahr 1953.

 

Vier Jahre nach ihrer Gründung zeigte die Deutsche Bundesbahn auf der Deutschen Verkehrs-Ausstellung (DVA) in München auf 10x60 m eine riesige Spur 0 Modelleisenbahnanlage. Die Anlage wurde von drei Original-Stelltischen gesteuert. Die Steuerung aus 2500 Relais war in einem Nebenraum aufgebaut. Diese Anlage sprengte alles bisher Dagewesene.

 

Modelleisenbahn an der Deutschen Verkehrsausstellung von 1953

 

Als ich 2003 im Miba Spezial 57 "Traumanlagen" den Bericht über diese Anlage sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Diese Anlage wurde bei uns zum Ideal! Sie und zahlreiche ähnliche Grossanlagen prägen bis heute den Modellbahnbau bei uns. Nicht umsonst werden die meisten Anlagen im deutschsprachigen Raum von einem zentralen Stelltisch aus gesteuert, wobei sämtliche Funktionen (Weichen etc.) elektrisch ferngesteuert sind.

 

Solch eine Großanlage fasziniert zweifellos! Und es gibt zahlreiche Fahrmöglichkeiten. Als Teenager lag ich halbe Nächte lang wach und füllte in Gedanken das Elternhaus mit Modellbahn ab, inklusive zahlreicher Mauerdurchbrüche etc. Herz, was willst du mehr?

 

Es gibt da nur ein kleines Problem: Die Anlage ist für eine Einzelperson nicht beherrschbar. Das wäre allenfalls etwas für eine Clubanlage. Eine Einzelperson ist mit dem Betrieb so eines Monstrums jedoch hoffnungslos überfordert. :-( Meine Erfahrung ist: Mehr als einen Bahnhof, mehr als 1-2 Züge gleichzeitig zu kontrollieren ist kein Spaß mehr.

 

Natürlich kann man sich mit einer Automatik egal welcher Bauart behelfen. Das mag eine Lösung sein für jemanden, der gerne zugucken möchte. Doch wenn ich den riesigen Aufwand an Zeit und Geld investiere und am Schluss nur einen Automaten im Hobbykeller habe, und nur zuschauen kann – dann ist das für mich irgendwie auch nicht die richtige Lösung.

 

Vollautomatik bringt's nicht. Schließlich will ich selber Eisenbahn spielen!

 

Sonst wären ein paar Besuche im Miwula mit Abstand die preiswertere Wahl.

 

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4. Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn

 

Hauptbahn mit abzweigender NebenbahnBetrachten wir nun eines der beliebtesten Anlagenkonzepte im deutschsprachigen Raum: Die Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn. Das Konzept ist auf den ersten Blick bestechend, denn es bietet von allem etwas: Hauptbahnverkehr, Nebenbahnromantik, Rangierbetrieb. Und so eine Anlage lässt sich in einem durchschnittlichen Hobbyraum gerade noch unterbringen.

 

Zunächst eine Version mit Betonung der Hauptbahn - für alle Liebhaber von Hauptbahnverkehr. Das Grundkonzept dieser Anlage ist ein zweigleisiger Hundeknochen mit je einem verdeckten Schattenbahnhof an den Enden (Aadorf und Celerina). In der Mitte der langen sichtbaren Doppelspurstrecke liegt der Abzweigbahnhof Beromünster, wo eine kurze Stichbahn nach Dachsen abzweigt.

 

konzept6.gifDieses Konzept ist schon ganz brauchbar. In der Praxis wird es im "einmännigen Betrieb" jedoch schwierig sein, die Nebenbahn zu betreiben, da sich der Verkehr auf die Hauptstrecke konzentriert. Das ist mir mit der Anlage Seldwyla im Vollausbau so ergangen: Die Nebenstrecke nach Obertupfingen spielt nur noch eine untergeordnete Rolle – ich "vergesse" sie sozusagen. Anders ist es, wenn weitere Mitspieler vorhanden sind: Dann hat jeder "seine" Strecke oder "seinen" Zug.

 

Wenn die Nebenbahn betont wird, fristet die Hauptbahn buchstäblich ein Schattendasein: Sie ist, von kurzen Streckenstummeln bis zu den Tunnels zum Schattenbahnhof, inexistent.

 

Man kann es drehen und wenden wie man will:

 

Die Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn ist für 1-Personen-Betrieb schlecht geeignet.

 

Die Konsequenz aus diesen Betrachtungen ist: Konzentriere dich auf das eine oder andere - Hauptbahn oder Nebenbahn. Beides miteinander geht nur im Rahmen einer Clubanlage bzw. wenn mehrere Mitspieler vorhanden sind.

 

 

 

5. Punkt zu Punkt: Hundeknochen

 

Wir haben schon festgestellt: Im richtigen Leben fahren die Züge nicht im Kreis herum, sondern von Bahnhof zu Bahnhof. Züge starten also in A und fahren über B nach C, von wo sie später wieder zurückkommen werden. Diese lineare Streckenentwicklung ist das Kernstück jeder Punkt-zu-Punkt-Anlage.

 

Punkt zu Punkt: HundeknochenDer klassische "Hundeknochen" mit Unterwegsbahnhof und Schattenbahnhöfen an den Enden entspricht dem Punkt-zu-Punkt-Konzept und erlaubt Hauptbahnverkehr. So eine Anlage kann von einer Person betrieben werden, indem ein Zug manuell im Schattenbahnhof Aadorf abgerufen, über die Strecke nach Beromünster und weiter zum zweiten Schattenbahnhof Celerina geführt wird, wo der Zug auf seine Rückfahrt wartet – die Ideallösung für jemanden, der schon immer Fahrdienstleiter werden wollte. Dieses Konzept eignet sich auch hervorragend für den Betrieb nach Epoche IV/V, der beim Personenverkehr von Wendezügen und beim Güterverkehr von Ganzzügen dominiert wird. Bei genügend Streckenlänge und Abwechslung bei den Zügen wird das nie langweilig.

 

Punkt zu Punkt: Hundeknochen mit KopfbahnhofNach diesem Konzept werden im Grunden genommen auch die meisten modularen Ausstellungsanlagen betrieben.

Die Anlage lässt sich auch teilautomatisieren mit Streckenblock und automatischen Schattenbahnhofsteuerungen. Der händische Betrieb konzentriert sich dann auf den Unterwegsbahnhof. Dadurch kann sich der Fahrdienstleiter noch besser auf seinen Unterwegsbahnhof konzentrieren. Die Automatisierung ist aber nicht unebdingt erforderlich. Ich persönlich würde gut einsehbare Schattenbahnhöfe (evt. mit Überwachungskameras) und manuellen Betrieb vorziehen – denn alles, was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.

 

Eine dankbare, betriebsintensive Variante dieses Konzepts ist ein "gefalteter" Hundeknochen mit Kopfbahnhof in der Mitte. Und zwar auch dann, wenn wegen Epoche IV/V alle Züge verpendelt sind.

 

 

 

6. Punkt zu Punkt: Einspurige Nebenbahn

 

Punkt zu Punkt: Einspurige NebenbahnPunkt zu Punkt geht aber auch mit einer einspurigen Nebenbahn. Wiederum fahren die Züge vom Schattenbahnhof A über B nach C. Dort wird gewendet und wieder zurückgefahren.


Auf den ersten Blick mag diese Anordnung wenig ergiebig aussehen. Doch der Schein trügt! Das Weglassen von Kehrschleifen u.ä. stellt sicher, dass die Züge nicht einfach um 180° gedreht zurückkommen, sondern ihre Fahrrichtung tatsächlich gewechselt haben. Die Endbahnhöfe machen das Umsetzen der Lok ans andere Ende des Zuges erforderlich. Das Umsetzen der Lok – oder gar ein Lokwechsel – ist ein Manöver, das den Betrieb ungemein bereichert! Im Zwischenbahnhof B können sich Züge kreuzen oder überholen. Und wer in Epoche III/IV fährt, kann in jedem Bahnhof emsigen Güterverkehr nachbilden. Die knappen Gleisanlagen in den Bahnhöfen erfordern geplantes Vorgehen beim Ausführen der Rangiermanöver.

 

Auch in Ep.V ist Wagenladungsverkehr noch möglich, obwohl der bahneigene Stückgutverkehr weitgehend aufgegeben und durch LKW-Verkehr abgelöst wurde. Trotzdem sind da und dort noch Industriebetriebe mit Bahnanschluss vorhanden, die bedient werden wollen. Der Personenverkehr wird überwiegend verpendelt abgewickelt, was aber trotzdem interessant ist.

 

Idealerweise besitzt jeder Bahnhof sein eigenes, dezentrales Stellpult. Das vereinfacht die Elektrik und verstärkt den Eindruck, dass die Anlage wirklich aus verschiedenen Betriebsstellen besteht.

Dieses Konzept ergibt viel Arbeit für die Bedienperson. Aufgrund der einfachen Bahnhöfe wird mit dem kleinsten Aufwand an Gleisen, Weichen und Steuerung ein Maximum an praktischem Modellbahnbetrieb ermöglicht.

Sofern mit Handreglern gefahren wird, kann die Bedienperson ihren Zug aus nächster Nähe mitverfolgen: Von schräg hinten zur Lok geschaut, verschwimmt das Schwellenband unter dem fahrenden Zug. Man fährt sozusagen mit – die Ideallösung für Modellbahner, die am liebsten Lokführer geworden wären. Deshalb entspricht auch meine eigene Modellbahn diesem Konzept. Und zwar sowohl die ursprüngliche Anlage Seldwyla als auch der Vollausbau, wenn ich die Züge von Seldwyla nach Ferndorf fahren lasse. (Bei Vollausbau ist leider die Nebenstrecke nach Obertupfingen bedeutungslos geworden, wie bereits unter Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn erwähnt.)

Die lineare Punkt-zu-Punkt-Anlage mit dezentralen Stellwerken bietet aber noch einen anderen Trumpf: Die Anzahl Mitspieler ist variabel! Wenn ich allein bin, kann ich die Anlage allein betreiben, Zug um Zug. Wenn jedoch die Kinder mitspielen wollen oder Besuch kommt, kann ich den zusätzlichen Mitspielern weitere Regler in die Hand drücken und dann geht der Spass gemeinsam los. Man muss zwar auf Gegenzüge und Weichenstellungen achten, aber auch Kinder haben bald den Bogen raus. Und was gibt es für einen Besuch eindrücklicheres, als statt die Modellbahn nur zu gucken, selbst damit zu fahren?

 

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7. Der Schattenbahnhof

 

Warum eigentlich Schattenbahnhöfe? Weil es niemals möglich ist, das gesamte nationale Eisenbahnnetz in einen Hobbyraum von einigen Quadratmetern zu quetschen - auch wenn wir das eigentlich sollten, um "richtigen" Betrieb darzustellen. Der Schattenbahnhof stellt die große, weite Welt dar - aber eben "im Schatten", vergleichbar dem Raum hinter einer Theaterbühne. Der Schattenbahnhof ermöglicht es uns, alle einzusetzenden Zugskompositionen bis zu ihrem Einsatz abzustellen. Das Abstellen erfolgt an einem neutralen Ort, so dass die landschaftlich gestaltete Anlage nicht mit Zügen überladen wird.

 

Schattenbahnhof (schlechtes Beispiel)

Der Schattenbahnhof versorgt die Anlage mit "frischen" Zügen. Dazu muss er Aufgaben wie Speicherung und Zugbildung erfüllen. Aber bitte nicht als Monstrum wie im Bild oben gezeigt! Wer solch ein Ungetüm bauen will, sollte sich ernsthaft überlegen, den Schattenbahnhof aus dem Schatten ans Licht zu holen und zum Hauptthema zu machen - etwa wie beim gefalteten Hundeknochen mit Kopfbahnhof weiter oben.

 

Schattenbahnhöfe sollen simpel sein. Zum einen wird dadurch die Betriebssicherheit gesteigert. Zum andern wirkt sich das günstig aus auf das Verhältnis von sichtbarer zu unsichtbarer Strecke. Bei meinen eigenen Anlagen habe ich festgestellt: Ich will die Züge fahren sehen. Hören genügt mir nicht.

 

Schattenbahnhof mit WendeDies ist ein Schattenbahnhof, der am Ende einer Doppelspurstrecke platziert werden kann. Die Wende ermöglicht, dass die Züge auf dem anderen Gleis der Doppelspur wieder zurück zur Anlage fahren können. Beim Einsatz an einer Einspurstrecke wird die "Kehrkurve" einfach zur vollständigen Kehrschleife zusammengefügt, denn Ein- und Ausfahrgleis sind ja nun identisch.

 

Beachte die Anordnung der Weichen: Diese ist so gewählt, dass in den Weichenstraßen keine Gegenbogen ohne Zwischengerade entstehen. Auch dies wirkt sich positiv auf die Betriebssicherheit aus - nicht nur im Schattenbahnhof.


Schattenbahnhof alsk KopfbahnhofDies ist ein Schattenbahnhof, der am Ende einer Einspurstrecke platziert werden kann. Er ist eine einfache Gleisharfe. Mehr braucht es nicht. Pendelzüge benötigen sowieso nicht mehr, und bei lokbespannten Zügen wird die Lok umgesetzt - entweder mit dem Fünffingerkran, oder indem die Lok abgehängt wird und eine andere Lok aus einem der kurzen Abstellgleise links an den Zug fährt. Wie in einem Kopfbahnhof. Dadurch entsteht von selbst ein guter Lokumlauf und Abwechslung im Zugbild! Mein eigener Seldwyla-Schattenbahnhof ist nach diesem Konzept aufgebaut und hat sich in all den Jahren sehr gut bewährt.

 

Dieser Typ eignet sich auch für Doppelspurstrecken, indem mit einer Weiche ein zweites Streckengleis angebunden wird. Er ist betriebsintensiver als der Typ mit Schleife, bietet aber die Möglichkeit, Züge umzustellen und neu zu bilden. Diese Art von Schattenbahnhof wird auch Fiddle Yard oder "Grabbelbahnhof" genannt.

 

Beachte auch hier die Anordnung der Weichen: Diese ist so gewählt, dass auch die längsten Züge den Blick auf die Weichen nicht versperren können. Das ermöglicht den Einsatz von preiswerten Handweichen.

Die Konzepte "Schleife" und "einfache Gleisharfe" können auch kombiniert werden. Das sieht dann beispielsweise so aus wie bei meinem Wendemodul.

 

Schattenbahnhöfe sollten so viele Gleise wie möglich haben. Die Abwechslung auf der Anlage wird maßgeblich bestimmt vom Speichervermögen des Schattenbahnhofs. Und auch ein vermeintlich großer Schattenbahnhof ist spätestens nach der dritten Weihnacht voll...

 

Zugriff zum Fiddle YardSchattenbahnhöfe müssen gut zugänglich sein. Nichts ist ärger, als einen entgleisten Zug an der unzugänglichsten Stelle der Anlage mit verrenkten Fingern und verbogenem Oberkörper zu bergen - womöglich noch ohne Sichtkontakt - während einem ein paar Schrauben, Klemmen oder Drähte ins Gesicht stechen! Ich plädiere deshalb dafür, dass oberhalb eines jeden Schattenbahnhofs wenigstens 15-20 cm "Luft" vorgesehen werden, gemessen ab Schienenoberkante.

 

Eine gute Möglichkeit (und bei einem Fiddle Yard sowieso unverzichtbar) ist es, den Schattenbahnhof am vorderen Anlagenrand (unter dem landschaftlichen Teil) zu platzieren, so dass mit der Hand von vorne leicht zugegriffen werden kann. Eine andere sehr gute Möglichkeit ist es, den Schattenbahnhof aus dem "Schatten" herauszuholen und am anderen Ende des Zimmers offen aufzustellen.

 

 

 

8. Raumausnutzung

 

Raum ist in der kleinsten Hütte! "Kein Platz" gibt es nicht. Man kann eine Modellbahn auch 40 cm über dem Schreibtisch oder in einem Bücherregal unterbringen - ich habe gleich beides gemacht. Für die folgenden Betrachtungen nehmen wir jedoch an, wir hätten ein kleines Zimmer mit 11,25 qm Fläche für die Modellbahn zur Verfügung.

Raumausnutzung1

 

Die größte Rechteckanlage, die in diesen Raum (2,5x4,5 m) passt, misst 1.2x4,5 m (linkes Bild) und hat eine Fläche von 5,4 qm. Die mittlere Länge (Mittelwert aus Länge der Vorder- und Hinterkante) misst 4,5 m. Diese Werte sind gar nicht mal schlecht. Es gibt da nur ein kleines Problem: Die Tiefe der Anlage beträgt 1,2 m. Was weiter als 80-90 cm vom vorderen Anlagenrand entfernt ist (im Bild dunkelgrau markiert), ist nur schwer zugänglich. Es besteht die Gefahr, dass der Pullover an den Baumwipfeln hängen bleibt.

 

Also die Anlage mitten in den Raum stellen (mittleres Bild). Nun ist sie zwar von allen Seiten gut zugänglich. Das Problem ist jetzt die Gangbreite: Unter 70cm sollte nicht gegangen werden. Vor allem nicht auf der gesamten Länge! So ergibt sich für diesen Raum eine Anlage mit den maximalen Abmessungen von lediglich 0,9x2,9 m und einer Fläche von nur noch 2,6 qm. Immerhin kann die Anlage rundherum genutzt werden. Für die Berechnung der mittleren Länge ging ich daher von einem "Ring" mit 45 cm Breite aus. Das ergibt eine mittlere Länge von 5,8 m - mehr als bei der Rechteckanlage an der Wand, trotz der kleineren Fläche.

 

Statt die Anlage in der mitte und Gang drumrum könnten wir es auch umgekehrt machen: Anlage aussen und Gang in der Mitte (rechtes Bild). Bei 90 cm Gangbreite und 80cm Anlagenbreite ergibt sich eine nutzbare Fläche von 7,1 qm und eine mittlere Länge von 8,9 m!

Die An-der-Wand-lang-Anlage hat bei der Raumausnutzung die Nase vorn.

 

Die Anlage könnte weiter verlängert werden, wenn das "U" mit einer Anlagenzunge zum "E" erweitert wird. Das wird aber bei 2,5 m Raumbreite außerordentlich knapp. Es sei denn, man baut auf der Zunge eine Spitzkehre statt einer U-förmigen Kurve.

 

Ein Wort zur "mittleren Länge": Der Mittelwert aus Länge der Vorder- und Hinterkante entspricht dem Wert, den man erhalten würde, wenn man die Anlage "gerade biegt". Sie entspricht ungefähr der tatsächlich nutzbaren Streckenlänge. Die Kantenlänge der Anlage ist zwar einfacher zu ermitteln, entspricht aber nicht der effektiv erzielbaren Streckenlänge, wenn die Anlage ums Eck gezogen ist.

 

Wenn wir senkrecht vor der Anlage stehen, kann unser Gesichtsfeld eine Szene von etwa 2 bis 2,5 Meter Breite wahrnehmen. Für breitere Szenen sind wir gezwungen, schräg gegen die Anlage zu blicken. Wenn wir eine Punkt-zu-Punkt-Anlage bauen wollen, können wir uns diesen Umstand zu Nutze machen: Etwa alle 2,5 m kann eine neue Szene beginnen, so dass ein natürlicher Ablauf in die Landschaft kommt: Bahnhof Aadorf - Strecke - Bahnhof Beromünster - Strecke - Bahnhof Celerina usw. Darum ist nicht nur die Anlagenfläche, sondern auch die effektiv nutzbare Länge von Interesse.

 

Wenn es irgendwie geht, sollten die Fahrstrecken zwischen zwei Bahnhöfen allerdings deutlich länger sein als 2,5 Meter! Die Fahrzeit wird sonst schlicht zu kurz.

Noch in einem weiteren Zusammenhang überzeugt die An-der-Wand-lang-Anlage: Es genügt nicht, nur den Kopf ein wenig zu drehen, um verschiedene Szenen betrachten zu können. Vielmehr müssen wir den Betrachterstandpunkt physisch wechseln. Wir müssen uns buchstäblich in eine andere Szene begeben, um sie betrachten zu können. Das unterstützt den Eindruck, dass wir uns durch die kleine Welt bewegen.

 

Bis jetzt haben wir nur zweidimensional gedacht. Wenn wir die dritte Dimension einbeziehen, kann die Anlage noch wesentlich länger werden:

 

Raumausnutzung dreidimensional

Schon bei der Rechteckanlage (linkes Bild) wird durch Hinzufügen eines Gleiswendels eine zweite Ebene möglich. Dadurch wird die nutzbare Fläche und die mittlere Länge nahezu verdoppelt! - Nachteil: die Strecke im Wendel von der unteren Etage (dunkelgrau) zur oberen Etage (hellgrau) wird relativ lang, nämlich etwa 16 m bei 40 cm Etagenabstand und 2,5 % Steigung. Bei Seldwyla habe ich deshalb minimierte Etagenabstände verwendet. Dadurch ist aber die untere Ebene nicht voll nutzbar. Es braucht also Kompromisse. Und natürlich könnte nicht nur ein Rechteck, sondern die gesamte An-der-Wand-lang-Anlage verdoppelt und mit einem Wendel verbunden werden.

 

Wenn die gesamte Anlage als "Wendel an der Wand lang" angeordnet wird (mittleres Bild), liegt die gesamte Strecke in der Steigung, Bahnhöfe ausgenommen. Wir beginnen unten rechts auf dem dunkelgrauen Teil und fahren im Gegenuhrzeigersinn. Es braucht noch etwa 1-2 Kehrtunnels oder Schleifen, damit die Streckenlänge von 16 m auf einem Umgang im Zimmer erreicht wird. Anschließend geht es mit einer herausnehm- oder klappbaren Brücke in die zweite Etage (hellgrau), die nochmals eine ganze Umdrehung im Zimmer ausführt. So entsteht die sensationelle Raumausnützung von 122 % der Bodenfläche!

 

Herausnehmbare Brücken sind nicht jedermanns Sache. Tatsächlich geht es auch ohne (siehe rechtes Bild): Wir beginnen unten links in der ersten Etage (dunkelgrau) und fahren im Uhrzeigersinn. In der rechten unteren Ecke erreicht die Strecke die obere Ebene (hellgrau), wendet und fährt im Gegenuhrzeigersinn bis zum Endpunkt, der sich über dem Ausgangspunkt befindet. Die scheinbar kleinere Fläche kommt von der schmaleren Anlagenbreite. Die mittlere Länge erreicht mit fast 21 m den Maximalwert!

Die letzte Anlagenform (rechtes Bild) eignet sich außerordentlich gut für eine Spitzkehre oder einen Kopfbahnhof.

 

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9. Das Betriebserlebnis

 

Nach der vielen Theorie auf der vorangehenden Seite wollen wir uns zur Abwechslung mit der Praxis beschäftigen: Wir führen einen Güterzug von Seldwyla nach Obertupfingen. Zur Abwechslung befinden wir uns nicht in Epoche III/IV (1950-1985), sondern in Epoche V. Damit möchte ich zeigen, dass auch mit modernen Zügen durchaus ein glaubwürdiger Güterverkehr möglich ist.

 

Die Landschaft, durch die unser Zug fährt, ist noch nicht fertig durchgestaltet. Das macht nichts! Im Gegenteil: Man muss mit dem Betrieb nicht warten, bis die Anlage "fertig" ist. Nicht mal die Elektrik muss fertig sein: Notfalls kann bereits mit einer provisorischen Elektrik gefahren werden.

 

Doch genug geplaudert! Es ist Zeit, die Lok unserers Güterzugs zu besteigen.

In Gleis 2 von Seldwyla steht die Am 842 zur Abfahrt bereit. Am Haken sind sechs Güterwagen für Obertupfingen. Der Lokführer und der Zugführer/Schaffner/Rangierleiter befinden sich bereits im Führerstand. Die beiden erwarten uns schon! Der Diesel grummelt leise vor sich hin. Nachdem das Ausfahrsignal auf Grün gewechselt hat, heult der Diesel auf und der Zug setzt sich in Bewegung.

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Schon befinden wir uns beim ausgedehnten Waldstück zwischen Seldwyla und Obertupfingen. Hier, auf freier Strecke, befindet sich das Anschlussgleis der Holzkorporation. Es ist ein Wagen mit Langholz mitzunehmen. Der Lokführer hält den Zug vor der Anschlussweiche. Der Rangierleiter schnappt den von schwarzem Schmierfett beschmutzten orangen Arbeitsmantel, Funkgerät, die dicken Handschuhe und den Weichenschlüssel und verlässt den Führerstand. Darauf zieht der Lokführer den Zug über die Weiche und hält an. Nachdem der Rangierleiter die Schlüsselweiche entriegelt und umgestellt hat, teilt er dem Lokführer über Funk mit: "rückwärts anfahren!" Der Lokführer fährt den Zug langsam rückwärts. Der Rangierleiter springt am hinteren Ende auf. betrieb2.jpg
Langsam nähert sich die Wagenschlange dem abzuholenden Langholzwagen. "Waaagenlang! Halbe! Vier! Zwo! Eins! Anhalten!" tönt es aus dem Funk. Mit einem sanften Knall fährt der Zug an den Langholzwagen an. Der Rangierleiter hat sich die Handschuhe übergestreift, hängt die Spindelkupplung ein und kuppelt die Hauptluftleitung. Mit einem leisen Zischen füllt sich der Hauptdruckbehälter des Langholzwagens. Der Rangierleiter ist inzwischen unter den Puffern hervorgekrochen und löst die Handbremse des Langholzwagens. Während der Bremsprobe nimmt der Rangierleiter die Zugschlusstafel vom nun zweithintersten Wagen und steckt sie an den Rungenwagen mit Langholz - unser neuer Zugschluss. Der Zug ist bereit für die Weiterfahrt. "Vorwärts anfahren!" tönt es aus dem Funk. betrieb3.jpg

 

Der Lokführer zieht den Zug wieder bis über die Weiche und hält an. Der Rangierleiter bringt die Weiche in Grundstellung und entfernt den Schlüssel. Dann geht der dem Zug entlang zur Lok und klettert zu uns in den Führerstand. Der Lokführer lässt den Diesel aufheulen. Weiter geht's!

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Die Lok hat auf der 42 o/oo Steilrampe ihre liebe Mühe mit den sieben Wagen. Es geht gerade noch. Der Diesel brüllt auf Vollast - 1100kW. Doch es geht nur langsam bergan. Schon passieren wir das Einfahr-Vorsignal von Obertupfingen: "Fahrt 2 Stern", Langsamfahrt erwarten. Da es steil bergauf geht, kann sich der Lokführer noch etwas Zeit lassen mit dem Einleiten der Bremsung. betrieb5.jpg
Wir passieren das Einfahrsignal von Obertupfingen. "Fahrt 2", Langsamfahrt. Der Lokführer hat die Geschwindigkeit auf 40 km/h reduziert. Da Obertupfingen ein Endbahnhof ohne Durchfahrmöglichkeit ist, hat der Lokführer unterwegs auch eine "Bremsprobe auf Wirkung" durchgeführt. Daher ist er sicher, dass er den Zug sicher wird anhalten können. betrieb6.jpg

Wir fahren auf Gleis 3 ein. Die gusseisernen Bremsklötze quietschen jämmerlich in den Ohren. Doch unser Zug hält punktgenau an. Die Luft über der heissen Motorhaube flimmert, der Lüfter ganz vorne hat viel zu tun. Sogleich setzt sich die S-Bahn auf dem Gleis nebenan in Bewegung.

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Der Zugführer/Schaffner/Rangierleiter verlässt den Führerstand, meldet sich beim Fahrdienstleiter im Bahnhofgebäde und kündigt die auszuführenden Rangierarbeiten an. Der Fahrdienstleiter stellt darauf die Entgleisungsweiche im Ausfahrgleis auf Ablenkung. Die Entgleisungsweiche soll entlaufene Wagen zum Entgleisen bringen, so dass sie nicht die Steilrampe hinunterrollen können. Sicherheit geht vor! betrieb8.jpg
Auf Anweisung des Rangierleiters drückt der Lokführer den ganzen Zug zurück, so dass die letzten drei Wagen jenseits der Einfahrweiche zu stehen kommen. Der Rangierleiter kuppelt die drei Wagen ab und trennt auch die Kupplung zwischen den beiden Kesselwagen und dem Langholzwagen. Darauf zieht der Lokführer die verbliebenen vier Wagen wieder ins Gleis 3 vor. Dort werden auch diese abgehängt und stehen gelassen. betrieb9a.jpg
Der Rangierleiter klettert auf die Plattform der Lok, welche darauf zum Prellbock vorzieht. Nachdem der Rangierleiter beim Fahrdienstleiter über Funk das Umsteuern der Weichen verlangt hat, umfährt die Lok die Wagen auf Gleis 3 und fährt sanft an die beiden Kesselwagen an. betrieb9.jpg
Auf Gleis 1 an der Rampe steht ein Rungenwagen mit einem Container. Dieser ist entladen und bereit für die Abfuhr. Die Lok wechselt auf Gleis 1 und fährt sanft an den Rungenwagen an. Anschliessend zieht die Lok weiter vor in Richtung Prellbock, bis die Weiche zum Brennstoffhändler frei wird. Auf dessen Anschlussgleis stehen zwei entleerte Kesselwagen, die ebenfalls bereit sind für die Abfuhr. betrieb10.jpg
Wir rangieren die beiden leeren Kesselwagen vom Anschlussgleis ins Ausfahrgleis und kuppeln sie an den Rungenwagen mit Langholz. Anschließend stellen wir die beiden neuen Kesselwagen aus unserem Zug ins Anschlussgleis des Brennstoffhändlers. betrieb12.jpg
Nun holen wir die drei Wagen "Abfuhr" vom Ausfahrgleis und ziehen sie ins Gleis 2. Dort lassen wir sie stehen. Nun müssen wir die Wagengruppe umfahren. betrieb13.jpg
Unterwegs holen wir noch die beiden vollen Getreidewagen von der Verladestelle der landwirtschaftlichen Genossenschaft. Diese befinden sich am Prellbock von Gleis 1. Abermals tönt es "Waaagenlang! Halbe! Vier! Zwo! Eins! Anhalten!" aus dem Funk. betrieb14.jpg
Bereits haben wir die Wagengruppe auf Gleis 2 umfahren und die Getreidewagen sowie den Containerwagen zu den Wagen auf Gleis 2 gestellt. betrieb15.jpg
Die Lok fährt nach Gleis 3 an die verbliebenen vier Wagen. Zwei davon sind für die Migros bestimmt. Wir fahren also mit den Wagen zum Migros-Anschlussgleis und holen zunächst zwei bereits geleerte Wagen ab, die ebenfalls bereit sind für die Abfuhr. betrieb16.jpg
Die beiden Leergutwagen stellen wir zum Prellbock von Gleis 2. Sie haben gerade Platz, so dass die Weiche noch umgestellt werden kann. betrieb17.jpg
Nachdem die beiden neuen Migros-Wagen zugestellt sind, fahren wir die verbliebenen zwei Wagen nach Gleis 1. Den Schiebewandwagen stellen wir im Freiverlad ab. Er enthält Landmaschinenteile auf Paletten, die der örtliche Landmaschinenmechaniker mit dem Hubstapler entladen wird. Den anderen Wagen - einen offenen E - stellen wir an die Rampe. Er wird am Samstag von der lokalen Pfadfindergruppe mit Altpapier beladen werden. betrieb18a.jpg
Alle Wagen sind zugestellt! Beinahe geschafft. Wir fahren mit der Lok vorne an die Wagengruppe und holen auch die beiden Leergutwagen am Prellbock ab. Ein letztes Mal plärrt der Funk: "Waaagenlang! Halbe! Vier! Zwo! Eins! Anhalten!" Anschliessend zieht der Lokführer den Zug ein wenig vor, so dass der Zug vollständig in Gleis 2 steht und die Weichen auf beiden Seiten frei sind. Der Zugführer/Schaffner/Rangierleiter macht den Zug fertig: Kupplungen kontrollieren, Bremsleitungen kuppeln, Bremsprobe, Zugschlusstafel am letzten Wagen einsetzen.
Unser Zug ist bereit für die Rückfahrt. Höchste Zeit! Denn schon fährt der nächste Zug der S-Bahn auf Gleis 3 ein.
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Das Ausfahrsignal wechselt auf Grün: "Freie Fahrt". Der Zugführer klettert zu uns in den Führerstand, und der Lokführer lässt den Diesel aufheulen. Langsam setzt sich unser Zug in Richtung Seldwyla in Bewegung. In einigen Minuten werden wir den Ausgangspunkt unserer Reise erreicht haben.
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10. Mittelmaß oder Charakter?

 

Draußen auf den Straßen sind zahlreiche Menschen unterwegs. Sie sind alle gleich langweilig. Bis ich mich auf sie einlasse - mich in ein Gespräch verwickeln lasse, das über Belanglosigkeiten hinausgeht. Die Geschichten dieser Menschen sind es, die sie interessant machen und zu ganz persönlichen Charakteren werden lassen, die über das Mittelmaß hinaus ragen.

 

Bei den Modellbahnanlagen ist es ebenso. Die Geschichten sind es, die die Anlage lebendig werden lassen. Geschichten können auf ganz vielfältige Weise erzählt werden:

 

  • in Prosa, wie im Kapitel Betriebserlebnis weiter oben.
  • mit Details und Figuren, die liebevoll szenisch angeordnet sind: Die Wäschefrau, die ihre Hände verwirft, weil die Katze schwarze Spuren auf die weißen Laken gepatscht hat. Die Kinder, die versuchen, dem Kaugummiautomaten noch ein zweites Stück zu entlocken. Die Eisenbahner, die auf die Krampgabel gestützt warten, bis der Zug vorbei ist.
  • die Landschaft kann ihren typischen Charme verstrahlen. Bei der N-Scale-Convention in Stuttgart, an der sich Modellbahner aus ganz Europa mit ihren Anlagen beteiligen, bin ich immer wieder überrascht und fasziniert, wie jedes Land sein ganz spezifisches Flair herüber bringt. Man kann vor ein Anlagenstück stehen und weiß sogleich, ob man sich in Italien, Frankreich, Deutschland oder sonstwo befindet.

In jedem Fall geht es darum, dass da nicht einfach ein Zug von A nach B fährt, sondern der Zug erfüllt ein ganz konkretes Transportbedürfnis. Und in dem Zug fahren Menschen mit, die Geräusche hören, Gerüche riechen und Arbeitsschritte verrichten. Je detaillierter wir uns auf diese kleine Welt einlassen, desto lebendiger wird sie.

 

Denk dir eine Geschichte zu deiner Modellbahn aus, die den Rahmen für den konkreten Betrieb abgibt. Dazu können folgende Fragen eine Hilfe sein:


  • Wo liegt deine Bahn?
  • Wie heißen die Bahnhöfe?
  • Was leben da für Leute?
  • Was arbeiten sie?
  • Warum benützen sie die Bahn?
  • Was transportieren sie mit der Bahn? Warum?
  • Was für Züge verkehren auf deiner Bahn? Warum?
  • Welche Rolle spielt der Güterverkehr?
  • Kommen auch Züge aus der "großen weiten Welt"? Warum?

 

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11. Betrieb nach Fahrplan

 

Bei der Urform der Anlage Seldwyla, welche nur zwei Bahnhöfe umfasste, brauchte ich keinen Fahrplan. Auf so einer kleinen Nebenbahn ist der Betrieb überschaubar. Die immer gleichen Personen- und Güterzüge, und hier und da ein Express, der sich nach Obertupfingen "verirrte", konnte ich auch ohne grafischen Fahrplan sinnvoll abwickeln. Oder hatte ich den einfachen Fahrplan gar im Kopf?

 

Seit die Anlage modular erweitert ist, stosse ich mit dem Prinzip "ich könnte ja mal diesen oder jenen Zug fahren lassen" an eine Grenze. Da nicht Obertupfingen, sondern Seldwyla das regionale Zentrum ist, habe ich nun - ohne es zu wollen - eine einspurige Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn. Es gibt sogar zwei Abzweige! Ich ertappe mich oft dabei, dass ich den Betrieb auf den abzweigenden Linien schlicht vergesse. Abhilfe kann hier ein Fahrplan schaffen. Er kann eine Chance sein, die Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn doch noch sinnvoll zu betreiben.

 

Der Fahrplan ordnet die Zugfahrten, gewährleistet die Anschlüsse und entspricht den natürlichen Verkehrsbedürfnissen.

 

Betrachten wir dazu eine einspurige Nebenbahn mit abzweigender Stichbahn:

Streckenkonzept und Fahrplan

 

Schräge Linien bedeuten fahrende Züge; horizontale Linien bedeuten stehende (wartende) Züge - wobei "Warten" auch Rangierdienst einschliessen kann. Dort, wo sich zwei Linien kreuzen, müssen zwangsläufig wenigstens zwei Gleise vorhanden sein, sonst knallt es...

 

a) Dieser Zug fährt von Ebertswil nach Beromünster und wieder zurück.

 

b) Dieser Zug befährt von Aadorf die "große" Strecke in Richtung Beromünster, wo ein Anschluss nach Ebertswil gewährleistet wird. Anschließend fährt der Zug über Celerina nach Dachsen und wieder zurück.

 

c) Dieser Zug fährt von Ebertswil direkt nach Aadorf und wieder zurück.

 

Das gezeigte Streckenkonzept und der Fahrplanausschnitt sind sicher verbesserungsfähig. Es geht mir mit diesem Beispiel nur darum, die Grundfunktionen des grafischen Fahrplans zu zeigen. Der Fahrplan hilft uns, für alle Verkehrsbedürfnisse auch tatsächlich Zugfahrten durchzuführen.

 

Ich werde gelegentlich einen Fahrplan für meine Anlage Seldwyla im Vollausbau erstellen. Da die Anlage mehrere Abzweigende Strecken hat, ist bereits das Aufzeichnen eines sinnvollen Streckenkonzepts ein ganz schönes Stück Denkarbeit.

 

Manche Modellbahner fahren nach Fahrplan und Uhrzeit. Dabei wird meistens eine "Modellzeit" verwendet, welche gegenüber der tatsächlichen Zeit beschleunigt ist. So können die (im Vergleich zum Vorbild) viel zu kurzen Strecken kompensiert werden. Die einfachste Möglichkeit zur Schaffung einer Modellzeit ist, eine normale Uhr (z.B. einen Wecker) zu nehmen und den Stundenzeiger weg zu denken. Der Minutenzeiger wird dann zum Stundenzeiger - eine Stunde Modellzeit dauert demnach "echte" fünf Minuten: Eine Beschleunigung um Faktor 12.

 

Ich habe das in den 80er Jahren ausprobiert. Eine kleine Punkt-zu-Punkt-Anlage mit drei Bahnhöfen, schnell aufgebaut aus einigen Holzeisenbahngleisen und drei Weichen. (Die Holzeisenbahn mit ihren Steckgleisen ist brutal schnell und genial für solche konzeptionellen "quick and dirty" Versuche!) Zwei oder drei Holzeisenbahnzüge. Dazu einen grafischen Fahrplan und die Uhr, 12mal beschleunigt. Und es hat funktioniert! Dies waren meine ersten - druchaus erfolgreichen - Erfahrungen mit Betrieb nach Fahrplan. Dabei habe ich allerdings auch bemerkt, dass ich nicht Sklave der Uhr werden möchte.

 

Es geht aber auch einfacher. Wenn der Zug um 8.15 in Dachsen losfahren soll, können wir, nachdem wir fertig sind mit den übrigen Aufgaben, auch einfach losfahren in Dachsen und sagen: "Jetzt ist 8.15"... Gerade für die Heimanlage ist dieses Vorgehen sinnvoll, da man sonst oft einfach auf den Zeiger an der Uhr wartet.

 

Die effektivste Methode zur Fahrzeitverlängerung ist ohnehin, vorbildlich langsam zu fahren. 80 km/h geteilt durch 160 ergibt für meine Spur N Nebenbahn 14cm/s "Modellgeschwindigkeit". Manchmal - besonders mit Stangenloks - fahre ich auch noch ein wenig langsamer, weil die Triebwerke der Stangenloks dann besser zur Geltung kommen.

 

 

 

12. Güterverkehr: Wagenkarten und Frachtzettel

 

Bei der Urform der Anlage Seldwyla, welche nur zwei Bahnhöfe umfasste, hatte ich die paar Güterkunden und ihre Bedürfnisse im Kopf. Seit die Anlage modular erweitert ist und zahlreiche weitere Güterkunden vorhanden sind, stoße ich mit dem Prinzip "ich könnte ja mal diesen oder jenen Güterwagen zustellen" an eine Grenze. Manche Ladestellen bediene ich praktisch nie, da ich sie schlicht und einfach vergesse. Abhilfe kann hier das "Bahnbüro" mit einer angepassten Menge Papierkram schaffen.

Wagenkarten und Frachtzettel

 

Das System mit Wagenkarten und Frachtzettel ist weitverbreitet. Für jeden Güterwagen gibt es eine kleine Papiertasche, welche Wagenkarte genannt wird. Diese Karte ist mit Informationen zum betreffenden Wagen beschriftet, wie z.B. den Wagentyp (Schiebewandwagen Hbbillns), den Eigentümer (SBB), die Nummer (21 85 245 7 000-7) usw. Vor jeder Betriebsperiode wird jeder Wagenkarte ein Frachtzettel zugeordnet, ein kleines Papierstück, das in die Tasche gesteckt wird mit Informationen zu Ladung und deren Start und Ziel. Am Ziel kann der Frachtzettel umgedreht werden und gibt dann weitere Informationen. Dieses System ist außerordentlich leistungsfähig und vielseitig.

 

Die Fremo-Gruppe AmericaN bietet weitere Erklärungen und Druckvorlagen für Wagenkarten und Frachtzettel zum Herunterladen an, die sich in der Praxis vielfach bewährt haben. Sie sind zwar in Englisch gehalten, müssen daher ein wenig "germanisiert" werden. Das sollte jedoch kein Problem sein und würde etwa so aussehen wie im Bild oben.

 

Das eigentliche Problem ist, dass bei einem großen Güterwagenpark viele, viele Wagenkarten und Frachtbriefe erforderlich sind. Diesem sehr großen Initialaufwand bin ich bisher immer aus dem Weg gegangen.

 

 

13. Güterverkehr: Rangierliste

 

RangierlisteDie Rangierliste ist ein einfacheres System, das sich ebenfalls in der Praxis vielfach bewährt hat.

 

Das Bild rechts zeigt die Rangierliste für den Güterzug, den wir im Kapitel Betriebserlebnis von Seldwyla nach Obertupfingen geführt haben.

 

Ich hatte zwar bisher keine Rangierlisten auf Papier verwendet. Aber beim Schreiben dieses Abschnitts ist mir aufgegangen, dass ich meine Güterzüge immer nach exakt solchen Anweisungen fahren ließ - nur hatte ich die Rangierliste im Kopf, ohne mir dessen bewusst zu sein!

 

Ich werde daher gelegentlich Rangierlisten für meine Anlage erstellen. So ist dann sichergestellt, dass auch jene Güterkunden bedient werden, die ich ohne vorgefertigte Liste andauernd vergesse.

 

Rangierlisten oder auch Wagenkarten und Frachtzettel sind eine Möglichkeit, Sinn und Ziel in den Güterverkehr zu bringen. Vor allem dann, wenn der eigene Einfallsreichtum am Ende ist.

 

 

 

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14. Wider den tierischen Ernst

 

Einige Hardcore-Modellbahner - vor allem im Dunstkreis des Fremo - sind der Meinung, eine Modellbahn sei nur dann realitätsnah, wenn sie geradezu als "Eisenbahnsimulation" betrieben werde. Dazu seien Betrieb nach Fahrplan und Uhr sowie Wagenkarten und Frachtzettel unverzichtbar, weil nur so gewährleistet sei, dass die ausgeführten Bewegungen "von außen" angefordert würden. Die Eisenbahner fahren ja schließlich nicht nach eigenem Gutdünken herum, sondern führen nur Aufträge eines Systems aus, das größer ist als sie selbst.

 

Diese Meinung teile ich nicht.

Fahrplan, Wagenkarten und Frachtzettel können wertvolle Hilfsmittel sein - als Selbstzweck lehne ich sie ab. Modelleisenbahn spielen muss Spaß machen.

 

Wenn der Betrieb beinahe mit mehr "tierischem Ernst" durchgeführt wird als bei der "echten" Eisenbahn, stimmen für mich die Verhältnisse nicht mehr. Die Beschäftigung mit dem Modellbahnhobby soll für die meisten Menschen Entspannung, Erholung und natürlich auch Herausforderung sein. Wenn das Spielerische dabei verloren geht, ist irgend etwas über das Ziel hinausgeschossen.

 

Bertold Langer schreibt in Miba Spezial 57 "Traumanlagen": "Grundsätzlich besteht unsere Idealvorstellung darin, ein faszinierendes Verkehrsmittel sozusagen nach Hause mitzunehmen, mit all den Erinnerungen und Assoziationen ... Als Eisenbahnpassagiere oder Lokführer möchten wir am liebsten mitfahren; als Beobachter sollen vorbeirasende Züge uns bis ins Mark erschüttern ... Dem werden Anlagen gerecht, welche möglichst große Fahrstrecken aufweisen und ideale Beobachtungsposten bieten. Alles andere sind Zutaten."

 

 

15. Die flexible Anlage: Punkt zu Oval

Punkt-zu-Oval, Doppelspurstrecke

 

Bertold Langer propagiert das Punkt-zu-Oval-Konzept. Entscheidend sind die im Bild rot eingezeichneten Gleiswechsel. So erhalten wir eine Anlage, die vielfältige Verkehre ermöglicht:

 

  • von Punkt zu Punkt
  • von Punkt zum Oval
  • von Punkt zu einer Kehrschleife und wieder zurück
  • im Oval kreisende Züge

 

So gewinnen wir das Beste aus allen Philosophien und haben jederzeit die Wahl. Wollen wir intensiv rangieren mit Güterverkehr? Oder sind wir müde und wollen einfach ein paar Züge gucken? Kommt Besuch, dem wir ein paar kreisende Züge vorführen wollen? Oder wollen wir den Besuch gar selber fahren lassen? Die Anlage unterstützt alle Wünsche.

 

Punkt-zu-Oval, EinspurstreckeMeine Anlage Seldwyla im Vollausbau entspricht diesem Konzept. Und sie bewährt sich: Mit Kleinkindern oder Besuch kann ich Züge kreisen lassen; mit 2-3 Schulkindern oder Hobbykollegen kann ich vielfältigen Mehrpersonenbetrieb machen; und mit meinem Sohn oder einem Modellbahnfreund kann ich Güterwagen rangieren. Und alle dürfen selbst fahren mit dem Handregler. Bei ungeübten Mitspielern sorge ich für richtig gestellte Weichen.

 

 

16. Über die Grenzen hinaus

 

Weiter oben haben wir schon gesehen: Die heile Welt der Modelleisenbahn stößt an den vier Wänden des Hobbyraums jäh an ihre Grenzen, und es ist schwierig, in einem Raum von einigen Quadratmetern die "ganze Welt" abzubilden. Verschärfend hinzu kommt, dass manch einer - ich eingeschlossen - insgeheim doch von der hallenfüllenden Großanlage träumt.

 

zusammenhängende Rekordanlage auf 1500qm, Stuttgart 2007

 

Die Lösung heißt Modulbau. Der Modulbau hat meine eigene Modellbautätigkeit auf vielfältige Weise beflügelt:

 

  • Durch die kleinen, austauschbaren Anlagenteilstücke habe ich mich endlich getraut "Fehler zu machen", wodurch ich zahlreiche neue Fertigkeiten erlernen konnte
  • Module bringen es fertig, dass ich mit meiner Modellbahn aus dem "Kellerloch" heraus an die Öffentlichkeit komme
  • An den Modultreffen kann ich zusammen mit Freunden etwas Großes aufbauen, was die Möglichkeiten des Einzelnen bei weitem übersteigt
  • An den Modultreffen kann ich meinen Kindheitstraum von der gigantischen Anlage ausleben
  • Modultreffen sind eine gute Möglichkeit, in der Gemeinschaft mit Anderen das Modellbahnhobby zu pflegen. Geteilte Freud ist doppelte Freud
  • In der Modulgruppe finde ich Ergänzung, wo ich an Grenzen stoße, und kann anderen eine Hilfe sein

 

Für Otto O. Kurbjuweit, einer der Gründer des Fremo, ist Modulbau allerdings "nur" eine Lehrlingswerkstatt, um Neues zu lernen. 1996 sagte er anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums des Fremo: "...Die Meisterschaft erwerbt ihr nur beim Bau einer eigenen Anlage. Weil ein Modul - und sei es noch so perfekt - kein Ganzes ist... Nur beim Bau und Betrieb einer (ganzen) Anlage könnt ihr beweisen, dass ihr... alles... könnt."

Ich sehe das nicht so eng. Zwar möchte ich nicht auf meine Ganzjahres-Heimanlage verzichten. Aber die Modulgruppe, das ist für mich wie ein Symphonieorchester: Jeder trägt etwas bei, und zwar jeder etwas anderes, seinen Stärken entsprechend. Erst dann gibt es zum Schluss eine Symphonie, einen "Zusammenklang". Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile!

 

Das Mitmachen in der Modulgruppe ist nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung zur Anlage im stillen Kämmerlein.

 

"Über die Grenzen hinaus" hat aber noch weitere Aspekte: Anlagen sollten teilbar und transportierbar sein. Sind sie es nicht, fallen sie spätestens beim nächsten Umzug der Abrissbirne zum Opfer. Dies war mir immer ein Greuel. Daher achtete ich schon bei Planung und Bau der ursprünglichen, kleinen Anlage Seldwyla darauf, dass die Anlage in handliche Stücke zerlegt werden kann, die durchs Treppenhaus passen. Tatsächlich hat die Anlage denn auch mehrere Umzüge problemlos überstanden.

 

Und Anlagen sollten etappierbar und erweiterbar sein. Das ermöglicht, heute das zu bauen, wozu Platz und/oder Zeit reichen: ein überschaubares Projekt, das bereits viel Betrieb und Modellbahnspass ermöglicht. Und wenn sich später die räumlichen oder zeitlichen Möglichkeiten entspannt haben, braucht die Anlage nicht abgebrochen und ersetzt zu werden, sondern kann erweitert und vergrössert werden.

 

 

17. Nachwort

 

Dies sind meine Erfahrungen mit ganz verschiedenen Modellbahnkonzepten. Aus meiner Sicht haben sich manche nicht bewährt, vor allem im Hinblick auf den Einpersonenbetrieb. Und der Einpersonenbetrieb bleibt wichtig, obwohl ich entdeckt habe, dass der Modellbahnbetrieb zusammen mit Freunden ebenfalls ungeheuer Spaß machen kann.

 

Natürlich meine ich nicht, dass ich hier die "einzig mögliche Sicht" dargelegt habe. Aber wenn dir der eine oder andere Gedanken eine Hilfe ist für den erfolgreichen Umgang mit dem schönsten Hobby der Welt, freue ich mich.

 

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Copyright für diesen Beitrag: Felix Geering, Schweiz – die Veröffentlichung auf dieser Seite geschieht mit freundlicher Zustimmung von Felix Geering

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